Ausbildungspakt: Mehr Lehrstellen in der Region - Mannheimer Morgen

Barbara Waldkirch, Vizepräsidentin der IHK Rhein-Neckar fordert...

19.02.08

Ausbildungspakt: Mehr Lehrstellen in der Region, aber immer größere Bildungslücken bei den jugendlichen Bewerbern
Wirtschaft erteilt Schulen Verweis

Mannheim. Industrie, Handwerk und Arbeitsagenturen der Region haben für 2007 ein positives Fazit des Ausbildungspakts gezogen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar meldete ein Plus von 11,1 Prozent bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald verzeichnete einen Zuwachs von 1,5 Prozent.

Einig waren sich die Wirtschaftsverbände in ihrer Forderung nach mutigen Reformen der Schulpolitik. "Die Schulen müssen funktionieren, damit die Ausbildung funktionieren kann", sagte Barbara Waldkirch, Vizepräsidentin der IHK Rhein-Neckar. Industrie und Handwerk kämpfen mit demselben Problem: Immer mehr Schulabgängern fehlen die notwendigen Voraussetzungen für eine betriebliche Ausbildung.

Das gilt nach den Worten von Kammerpräsident Walter Tschischka sowohl für die fachliche als auch für die charakterliche Eignung. Der technische Fortschritt fordere von Bewerbern im Handwerk eine "deutlich höhere Bildungsfestigkeit". Aber auch die menschliche Reife vieler Schulabgänger lässt nach Einschätzung des gelernten Elektrikers zu wünschen übrig. "Es gibt erstaunlich viele junge Menschen mit einem guten Zeugnis, die sich schwertun, regelmäßig morgens um halb Acht aufzutauchen."

Nach Tschischkas Einschätzung sind bis zu 30 Prozent der Jugendlichen eines Abschlussjahrgangs nicht reif für die Lehrzeit. Diese Defizite aufzuarbeiten, sei nicht Aufgabe der Ausbildungsbetriebe. "Die Wirtschaft ist nicht der ReparaturWirtschaftbetrieb der Schule."

Sowohl Handwerkskammer als auch IHK forderten drastische Reformen des Schulsystems, um auch in Zukunft die benötigten qualifizierten Fachkräfte ausbilden zu können. "Die Landesregierung muss die zurückgehenden Schülerzahlen dazu nutzen, die Klassen in allen Schularten zu verkleinern, die Unterrichtsqualität zu steigern und eine Vollversorgung zu gewährleisten", sagte Waldkirch.

Walter Tschischka forderte, die Hauptschulen zu stärken und nicht zur "Restschule" verkommen zu lassen. "Wir brauchen auch längeres gemeinsames Lernen von Schülern, die Entscheidung für eine Schulart schon nach der vierten Klasse halten wir für zu früh."

Die Arbeitsagenturen Mannheim und Heidelberg betonten bei ihrer Bilanz den Erfolg der Angebote für schwer vermittelbare Bewerber. "Wir konnten 60 Prozent der Teilnehmer an unseren 400 Einstiegsqualifizierungen zu einem Ausbildungsvertrag verhelfen", sagte Christian Greiner, Leiter der Agentur Mannheim. Durch Nachvermittlung konnten die beiden Agenturen bis zum Jahresende noch weiteren Bewerbern eine Ausbildungsstelle verschaffen - hier waren noch einmal 67 Jugendliche erfolgreich.

Mannheimer Morgen
19. Februar 2008

   

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