Oliver Radtke - Ein Wahl-Chinese auf Lesereise

Ausstellung von Elsa Henseler-Etté

27.02.09

Feudenheim: Oliver Radtke liest in der Verlagsbuchhandlung Waldkirch aus seinem neuen Buch / Ausstellung von Elsa Henseler-Etté

Ein Wahl-Chinese auf Lesereise

"China beginnt für mich am Frankfurter Flughafen", liest Oliver Radtke aus seinem Buch "Welcome to Presence. Abenteuer Alltag China". In seinen Lesungen nimmt der 31-jährige Sinologe seine Zuhörer an die Hand auf einen zweistündigen Spaziergang durch Chinas Straßen. In Feudenheim las er in der Buchhandlung Waldkirch vor. Der Wahl-Chinese hat seine feinen Beobachtungen vom Alltag der einfachen Bevölkerung zu Anekdoten verarbeitet; mit viel Neugier, Offenheit und liebevollem Humor und ganz ohne jede westliche Überheblichkeit.

In der 9. Klasse kam Oliver Radtke zum ersten Mal mit Chinesisch in Berührung. Sein Gymnasium in Krefeld bot eine Chinesischklasse an. "Eine faszinierende, unbekannte Welt lag vor mir: Ich habe mich gefragt, was sich hinter diesen Strichen und Punkten verbirgt", erzählt Radtke. Der Sog vom Land der Mitte lässt ihn seitdem nicht mehr los. Nach der Schule studierte er Sinologie in Heidelberg und versucht, in den Semesterferien nach China zu kommen: als "Kindergartenonkel", Hospitant im ARD-Korrespondentenbüro oder Manager für das Frankfurter Symphonieorchester auf China-Reise. 2006 war er TV-Journalist beim chinesischen Fernsehen in Singapur, jetzt arbeitet er als Journalist in Peking.

Für die Berichterstattung des Regierungsprojektes "Deutschland und China gemeinsam in Bewegung" reist er oft durch China. Radtkes Buch über Chinglish, in den USA schon in der 7. Auflage erschienen, kommt im Mai heraus. "Ich bin wieder so voll an Eindrücken. Dinge in Worte zu fassen, ist ein Weg zu begreifen, das Land noch mehr zu verstehen", erklärt er und ist sich sicher, dass weitere Bücher folgen werden.

Dabei ist Radtke schon sehr chinesisch. Er beherrscht rund 4000 chinesische Zeichen, kann damit problemlos Zeitung lesen und kann sich mit gut klingendem chinesischem Namen und Vornamen vorstellen. Seine Heidelberger Chinesischlehrerin gab ihm den Namen "Ji shaorong". Der Name enthält seine Liebe zum Gitarrenspielen und Affinität zur Technik.

In China wird Radtke noch oft wie ein westlicher Tourist behandelt. Eine Postkarten-Verkäuferin verlangte für ihre Karten den vierfachen Preis. "Lass mal den Preis für die westlichen Touristen, meinte ich zu ihr, und dann kamen wir in ein nettes Gespräch", erzählt Radtke. Er weiß, dass solche Verkäufer wenig verdienen, und nimmt ihnen den überhöhten Preis nicht übel. Oliver Radtke mag Chinesen, weiß, wie sie ticken, nimmt sie ernst.

"Eine Großmutter und ihre Enkelin in Deutschland können lesen, wie ihr Pendant in China lebt", erklärt Radtke sein Buch. Es ist kein klassischer Reisebericht, Reiseführer oder China-Handbuch für Geschäftsleute. Vielmehr findet der Leser eine Sammlung an typischen Alltagssituationen. Eine Partie chinesisches Schach mit zwei älteren Herren im Park oder eine linguistische Hitparade der gebräuchlichsten Vokabeln für Ausländer erlauben dem Leser einen tiefen Blick in die chinesische Seele. Das Buch ist ein lockerer Einstieg für Interessierte, aber auch Kenner schmunzeln beim Lesen. Es räumt mit Vorurteilen auf und zeigt Chinas Vielfalt.

Diese Vielseitigkeit und die Geschwindigkeit, mit der sich China verändert, faszinieren Oliver Radtke: "Es ist jedes Mal wie ein Kulturschock, wenn ich nach Deutschland zurückkomme", erzählt er. Alles läuft hier im Vergleich zu China wie in Zeitlupe." Jetzt ist sein Buch aktuell; in fünf Jahren könne er das nicht mehr behaupten. Um der Aktualität gerecht zu werden, betreibt er einen Blog: beijing101.de. Radtkes Buch "Welcome to Presence" ist 2007 im Mannheimer Dryas Verlag erschienen.

Die Fotos der Ausstellung von Elsa Henseler-Etté, noch bis Ende März in der Buchhandlung Waldkirch zu sehen, zeigen China von 1992 bis 1998. "Die Fotos bilden einen interessanten Kontrast zu Radtkes Buch. Vieles auf den Fotos, kommt im Buch nicht mehr vor. Faszinierend, mit welcher Wucht die Moderne in China eingeschlagen ist", sagt Barbara Waldkirch, die Inhaberin der Buchhandlung.

Mannheimer Morgen
27. Februar 2009


Bilder von der Finissage der Ausstellung von Elsa Hennseler-Etté, mit Christa Krieger, finden Sie auf der rechten Seite.

   







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