Lesung von Kabarettist Schwöbel bei Waldkirch

Feudenheim: Was nicht gewusst wird, ist nicht

10.11.10

 "Was nicht gewusst wird, ist nicht"

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Tahi

Dem Ehepaar Pfeiffer aus Käfertal war bisher nur die kabarettistische Seite von Hans-Peter Schwöbel vertraut. Die humorigen Mundart-Stücke kennen sie in- und auswendig: Adolf Pfeiffer hat sogar das Ringbuch dabei, in dem er seit 2007 jeden einzelnen Zeitungsausschnitt der im Wochenblatt veröffentlichten Kolumne gesammelt und ordentlich eingeklebt hat. Heute sitzt er zusammen mit Ehefrau Helga in der zweiten Reihe in der Buchhandlung Waldkirch. Bereits letzte Woche haben sie eine Veranstaltung des Sprachkünstlers in der Unionskirche besucht, nun sind sie auf seine Essays gespannt, wollen teilhaben an den philosophischen Gedanken des Soziologen.

Hans-Peter Schwöbel liest aus seinem Buch "Kinder des Wortes". Und eröffnet den Zuhörern dabei Einblicke in seine eigene Kindheit. Als Siebenjähriger bereits begann der kleine Hans-Peter regelmäßig in der Bibel zu lesen und laut zu deklamieren. Ihm, dem Kind einer pietistischen Familie, kam dies nicht ungewöhnlich vor. Er geht naiv und offen, wie es wohl nur ein Kind kann, mit dem biblischen Text um. Fasziniert von den Namen der Patriarchen im 1. Buch Mose wie "Enos, Kenan, Mahalaleel, Jared, Henoch, Sem, Ham, Japhet...", schmückt er sich mit diesen fremd klingenden Worten beim nachmittäglichen Indianerspiel mit Freunden.

Der Hans-Peter von heute zitiert den Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel: "'Gott schuf die Welt mit den zweiundzwanzig Buchstaben des Alphabets', lehrte der alte Meister, 'Geht achtsam damit um, dann werden sie auf euch achtgeben. Sie werden euch überallhin begleiten (...) und euch den Weg zu verborgenen Heiligtümern eröffnen.'" Die Vorstellung, Gott habe die Welt aus dem Alphabet erschaffen, entspräche modernen Erkenntnistheorien, führt der Soziologe Schwöbel aus. Die Welt könne nur über geistige Prozesse erschlossen, also auch geschaffen werden: "Was nicht gewusst wird, ist nicht."

Deswegen sei auch das Vorhandensein von Literatur bereits für Kinder von entscheidender Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung. Die komplexen Gedankenketten seiner Essays unterbricht der geübte Redner immer wieder mit direkten Ergänzungen ans Publikum. Er wünscht für die Kinder, dass sie das Wärmende, Herauslockende, das einem die Literatur geben kann, kennenlernen dürfen. Er fordert, nach der PISA-Studie nicht den Fehler zu begehen, nur auf schnelle Erfolge zu setzen und auf die formale Erreichung von Lernzielen zu pochen, sondern in die Persönlichkeit der Kinder zu investieren.

Nach weiteren anspruchsvollen Themen wie dem Jenseitsbewusstsein oder der Fähigkeit zur Transzendenz kommt der leidenschaftliche Mundartkünstler zum Vorschein. Schwöbels Stimme wird gleich um eine Oktave tiefer, seine Körperhaltung dramatisch. Lautmalende Worte wie "Lewwaworschtgrenz", "Rhoischdrooß" und "s'Wischdigschde" erfüllen den Raum - bis hin zu bedrohlichen Klängen wie dem Wort "Rabbeldärr", das Schwöbel mehrfach dunkel und kratzig durch seine Kehle grollt. Übrigens, sein Tipp für den Winter: zehnmal laut "Rabbeldärr" gerufen soll Erkältung und Kehlkopfentzündung heilen.

Dem Ehepaar Pfeiffer hat der Abend gut gefallen, anregend und "mal 'ne ganz andere Richtung". Für Barbara Waldkirch, Inhaberin des gleichnamigen Verlages, hat sich mit dem Auftritt Hans-Peter Schwöbels ein lang gehegter Wunschtraum erfüllt: ein "leibhaftiges Bloomaul" in ihrer Buchhandlung!.

Mannheimer Morgen
10. November 2010



   

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