Bücherfreundin Barbara Waldkirch mit eisernem Willen

Frauen im Chefsessel

04.12.10

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Bücher sind das Größte für mich“: Verlegerin Barbara Waldkirch.

Porträt: Barbara Waldkirch leitet den Waldkirch Verlag und sitzt zudem seit 2001 als erste Frau im Präsidium der IHK Rhein-Neckar

Mannheim. Barbara Waldkirch springt auf, steuert eine Vitrine an - und kommt mit einem großen Bücherstapel auf dem Arm zurück. "Hier, der Luisenpark-Bildband, der ist besonders schön." Dann läuft sie in den Nebenraum - um ein weiteres Dutzend Bücher zu holen: "Kennen Sie unseren 'Kurpälzer Opernführer' in Mundart? Oder den 'Flohmarktführer'? Oder..." Die Verlegerin ist kaum zu bremsen. Dabei wurde sie nur gefragt, welche Bücher des Mannheimer Verlags Waldkirch ihr besonders am Herzen liegen.

Eigentlich wollte sie Kapitänin oder Landschaftsgärtnerin werden, erzählt die 53-Jährige. Oder Journalistin. Zumindest von Letzterem ist ihr erlernter Beruf nicht weit entfernt: "Als Diplom-Übersetzerin für Russisch und Englisch hatte ich auch mit Wörtern zu tun." Heute leitet sie den Verlag Waldkirch - eine Aufgabe, bei der sie ihre Liebe zur Sprache ausleben kann.

"Auf die Rolle der Hausfrau wollte ich mich nie beschränken", sagt die Mannheimerin. Als ihr Mann Ralf Waldkirch, der bis dahin sowohl die Druck-Agentur als auch den Verlag geleitet hat, Anfang der Neunziger eine neue Leitung für den Verlag sucht, fällt Barbara Waldkirch der Entschluss nicht schwer: Sie übernimmt die Aufgabe. "Das hat gut gepasst: Gerade ist der jüngste meiner drei Söhne in die Schule gekommen. So konnte ich den bis dahin brachliegenden Verlag wieder aufbauen." Sie verpasst dem Unternehmen ein neues Profil: Bücher aus der Region werden hier verlegt, aber auch Biografien, Firmenchroniken und Auftragsproduktionen.

Wenn sie von ihren Büchern schwärmt, ist klar: Sie ist mit dem Herzen dabei. Und das entscheidet manchmal auch darüber, ob sie ein Buch verlegt: Die Chronologie der Käfertaler Geschäfte etwa wollte sie unbedingt herausbringen - trotz schwieriger Finanzierung und keinen Aussichten auf Gewinn. "Das hätte wahrscheinlich keiner meiner männlichen Kollegen gemacht", sagt Waldkirch nachdenklich. "Ich bin aber froh, dass ich mich das getraut habe."

Da zeigt er sich also, der kleine Unterschied zwischen den Geschlechtern. "Ansonsten hat es aber nie eine Rolle gespielt, dass ich eine Frau bin", sagt die Verlagsleiterin. Klar, Männer mit Vorurteilen seien ihr auch begegnet - so habe ihr ein älterer Herr einmal gesagt, Karrierefrauen würden ihre Weiblichkeit verlieren. "Solche Ressentiments konnte ich aber immer schnell widerlegen", sagt sie und lacht.

Es gibt Menschen, bei denen hört man schon am Lachen, dass sie wissen, was sie wollen. Barbara Waldkirch ist so ein Mensch. Sie lacht zugleich mädchenhaft kichernd und herzhaft-laut - ein Lachen, das keine Widerrede duldet und doch sehr fröhlich klingt. Genau das richtige Lachen also für eine resolute Frau, die Sätze sagt wie diesen: "Das Führen wurde mir in die Wiege gelegt." Oder: "Mein Vater hat immer gesagt: 'Geht nicht gibt's nicht.' Und er hatte recht."

Was muss eine Frau mitbringen, die an die Spitze will? "Einen eisernen Willen. Wenn ich den habe, erreiche ich auch mein Ziel." Außerdem müsse man tolerant sein, flexibel "wie ein Kaugummi" und geduldig "wie ein Pferd". "Und: Sie müssen wirklich brennen für Ihre Sache - nur dann können Sie sich und andere motivieren."

Dass es dennoch richtig unbequem werden kann, wenn man mit verschiedenen Aufgaben jonglieren muss, weiß Waldkirch aus eigener Erfahrung. Im vergangenen Jahr hat sie ihren Vater und ihren Onkel - beide waren an Krebs erkrankt - bis zum Tod begleitet. Nicht nur in ihrem Verlag setzt sie sich dafür ein, dass die Angestellten Familie und Beruf gut vereinbaren können: 2006 hat sie die erste deutsche Familiengenossenschaft mitgegründet. "Mir ist dabei auch wichtig, dass allen klar ist: Männer und Frauen haben die gleichen Rechte - und Pflichten."

Das Engagement der Verlegerin beschränkt sich nicht auf die eigene Firma. In zahlreichen Clubs, Kommissionen und Foren übernimmt sie ehrenamtliche Aufgaben, bei der IHK Rhein-Neckar sitzt sie seit 2001 sogar im Präsidium - als erste Frau überhaupt. Und eigentlich würde sie auch gerne selbst ein Buch schreiben, über die Geschichte der Familie Waldkirch. Der Blick auf ihren Terminkalender lässt jedoch vermuten, dass daraus so schnell nichts wird. "In zwanzig Jahren nehme ich das in Angriff", sagt die 53-Jährige. "Dann werde ich mich wohl so langsam aus dem Beruf zurückziehen."

Barbara Waldkirch

  • Die 1957 in Mannheim geborene
    Barbara Waldkirch ist seit 1992
    Geschäftsführerin und Komplementärin
    der Waldkirch KG Verlag-Druck-
    Agentur. 2007 gründete sie die
    Verlagsbuchhandlung Waldkirch
    in Mannheim-Feudenheim.

  • 2007 erhielt sie die baden-württembergische
    Wirtschaftsmedaille für ihre Verdienste um
    die Wirtschaft des Landes.

  • Der Verlag Waldkirch hat 7 festangestellte
    Mitarbeiter, zudem zwischen 25 und 40 Freie.
    Zum Umsatz macht das Unternehmen keine
    Angaben.

Mannheimer Morgen
04. Dezember 2010



   

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