Die Skorpionin - Ein bestechend guter Thriller

Mit -Die Skorpionin- hat der Bergsträßer Autor Manfred H. Krämer sein Meisterstück abgeliefert

15.09.11

Kraemer-bei-Lesung.jpg

Bergstraße. Dieser Roman sticht so mächtig wie kein zweiter aus der Feder des Lampertheimer Autors. Mit "Die Skorpionin" hat Manfred H. Krämer sein Meisterwerk abgeliefert. Keines seiner bisherigen Bücher bedient sich einer solch reifen, ausgefeilten Sprache, kein anderer Krämer-Krimi liefert eine derart dicht gestrickte Geschichte - und keines seiner Werke konfrontiert den Leser so kompromisslos mit den blutrünstigen Taten seiner Protagonisten.

Das neue Werk des ausgesprochen fleißigen Bergsträßer Krimiautors hat also nur wenig mit seinen Vorgängern am Hut. Schluss mit lustig und dem schnoddrigen Tonfall in den Dialogen des Ermittlerpärchens Tarzan und Solo, der in den Bergstraßen-Krimis immer wieder die Spannung löst.

"Die Skorpionin" ist einerseits schwere Kost, andererseits ein packender Thriller, auf dessen Basis Manfred Krämer eine neue Krimireihe begründen will. Ein ambitioniertes Ziel, das rundum gelungene Werk toppen zu wollen.

Gedankliches Puzzlespiel

Die Zusammenhänge der Story - und das ist der erste von vielen raffinierten Kniffen - muss sich der Leser erst langsam erschließen. Denn Krämer erzählt die Geschichte seiner "Heldin" keineswegs chronologisch, sondern mit Versatzstücken genauso gebrochen wie deren Lebensweg. Es erfordert durchaus Konzentration, mit dem Autor durch die Erzählzeiten zu springen und sich die Zusammenhänge zu erarbeiten. So erschließt sich dem Leser beim gedanklichen Puzzlespiel erst nach und nach, welche Umstände die Skorpionion so gnadenlos zustechen lassen - und wer eigentlich für welchen Mord verantwortlich zeichnet.

Keine strahlenden Helden

Der Leser begleitet die Hauptdarstellerin auf ihrem Weg von der Hinterhof-Agentur zum Supermodel. Und geht mit ihr sprichwörtlich über Leichen. Raffiniert: das erste ihrer heimtückischen Attentate in der Wüste von Marokko, das auch ihren Ruf begründet. Da ist Anna-Sophia Barlow - so der bürgerliche Name der Skorpionin - noch durch und durch Täterin, vom mörderischen Vorsatz getrieben. Später entwickelt sie sich zusehends zum Opfer, aus dessen Erlebnissen wiederum die weiteren Taten resultieren. Auch die übrigen Personen des Thriller-Tableaus gehen keineswegs als strahlende Helden durch. Nicht der Anwalt Stephan Glimm, der auch den übelsten Kinderschänder mit professioneller Leidenschaft vor Gericht verteidigt. Und schon gar nicht Gernot Marks, gewissenloser Triebtäter der übelsten Sorte, der sicherlich am untersten Ende der Beliebtheitsskala in diesem Buch stehen dürfte.

Für Stephan Glimm hat übrigens ein real existierender Strafverteidiger aus Mannheim mit gar nicht so unähnlichem Namen Pate gestanden. Er soll übrigens Dreh- und Angelpunkt aller weiteren Thriller aus dieser Reihe sein.

Eine positive Identifikationsfigur existiert also nicht. Auch dies ist ein literarischer Kunstgriff Krämers, der eine emotionale Nähe zu den handelnden Personen erst gar nicht aufkommen lässt. Die Distanz zu seinem Personal überwindet der Autor, indem er den Leser an den Gefühlswelten seiner Protagonisten dennoch teilhaben lässt. Und zwar so intensiv, dass es zuweilen schmerzt. Denn unschuldige Tagebuch-Einträge in loser Folge lassen den Leser schon früh mutmaßen, dass hier ein kleines Mädchen einem Kinderschänder auf den Leim geht und die Sache übel enden muss.

Diese Stellen geben dem Roman eine ungeheuere düstere Schwere. Und Manfred Krämer gesteht bei Lesungen gerne ein, dass er bei der Formulierung dieser Tagebuch-Einträge mehr als einmal mit sich gerungen hat. Immer wieder habe er eine Runde im Garten drehen müssen, um sich selbst zu beruhigen und zu konstatieren, dass alles nur Fiktion und erfunden sei.

Gleichwohl: Spannend ist die Skorpionin von der ersten bis zur letzten Seite. Es fällt schwer, die Lektüre zu unterbrechen. Und das ist sicherlich das größte Kompliment, das man einem Autoren aussprechen mag. Es soll an dieser Stelle gerne gegeben sein. bjz/sm

Krämers Krimis:

  • „Die Skorpionin“ ist der sechste
    große Roman des Lampertheimer
    Schriftstellers Manfred H. Krämer.
  • Das Buch ist 320 Seiten dick, im
    Mannheimer Waldkirch-Verlag
    erschienen und kostet 9,99 Euro.
  • Der gelernte Bauzeichner und
    praktizierende Lkw-Fahrer
    Manfred H. Krämer
  • begründete im Dezember 2004
    mit dem „Tod im Saukopftunnel“ die
    Reihe der Bergstraßen-Krimis. Es folgten
    „Der Kardinal von Auerbach“ (2005) und
    „Die Raben vom Mathaisemarkt“ (2006).
  • Alle drei Romane sind bundesweit
    im Heyne-Verlag erschienen.
  • Weitere Werke sind der Thriller
    „Onca – der weiße Jaguar“,
    die Kurzgeschichte„Totenhochzeit“,
    das Hörbuch „Heiße Luft und kaltes
    Bier“ und „Spargelmord“.
  • Nächste Krämer-Projekte sind das
    Krimi-Kochbuch „Messerscharf“
    (erscheint im Herbst) sowie
    „Kohlemord“(erscheint Anfang 2012) –
    erneut mit dem Ermittlerpärchen aus
    den Bergstraßenkrimis, Solo und Tarzan.

Bergsträßer Anzeiger
15. September 2011

Südhessen Morgen
7. September 2011

Südhessen Morgen
8. September 2011



   

Zur Online-Buchhandlung

Über 450.000 Bücher online bei Waldkirch bestellen

Glückwunschkarten

Ausdrucksstarke Postkarten, die für Aufsehen sorgen!

Zum Waldkirch Verlag

Besuchen Sie direkt unseren Verlag mit regionalen Autoren und Bücher mit regionalen Themen.

Newsletter anfordern

Das Aktuellste über alle Veranstaltungen, den Verlag und die Buchhandlung