Mimenmord - Ein Mannheim-Krimi

Während einer Aufführung von Wagners Walküre im neuen Mannheimer Ring wird der Sänger des Siegmunds auf offener Bühne ermordet. Das ist jedoch erst der Anfang einer unheimlichen Mordserie, die die Quadratestadt erschüttert.

21.08.13

VOR-GELESEN
Oliver Hoffmann: MIMENMORD

Manchmal könnte ich mich selbst ohrfeigen! Warum?
Weil ich eine »Buchfresserin« bin. Zumindest nannte mein Vater mich so, wenn ich dabei war, mit einem Tempo von ca. 100 Seiten pro Stunde einen Roman oder ein Fachbuch zu »verschlingen«. Glauben Sie nur nicht, dass ich querlesen würde – das fiele mir im Traum nicht ein. Nein, ich lese sehr konzentriert, tauche wirklich in das Geschriebene ein und vergesse die Welt um mich herum. Ich lasse mich auch nicht aus dem Takt bringen, wenn mich Satz- oder Satzzeichenfehler anspringen. (Obwohl sie sich wirklich alle bei mir melden, wie der Klassenstreber bei seiner Lieblingslehrerin.) Und ich kann tagelang noch wörtlich wiedergeben, was ich gelesen habe. Eigentlich toll, oder?

Ja, wenn … es nicht auch die Kehrseite der Medaille gäbe. Manchmal – heutzutage seltener als in meiner Adoleszenz – begegne ich einer Geschichte, die mir, um mal im Bild des Bücherfressens zu bleiben, tagelang im Magen liegt und mich doch nicht sättigt.

Oliver Hoffmanns MIMENMORD, der den unverdächtigen Untertitel »Ein Mannheim-Krimi« trägt, ist ein solcher Roman.

Muss ich den Autor vorstellen? Menschen, die sich für Phantastik begeistern, kennen seinen Namen als Mitbegründer des Verlages Feder & Schwert. Wer in und um Mannheim ansässig ist, und sich für Kleinkunst (dämliches Wort, aber, Entschuldigung, ich kenne auch kein schöneres) interessiert, kennen ihn als Autor des Boulevard-Theaterstücks »Alla Gut – Verliebt ins Quadrat«, das seit 2007 auf Mannheimer Kleinkunstbühnen alle Rekorde bricht, und von vielen anderen Kultur-Veranstaltungen auch als Musiker und Sänger. Leseratten und Krimi-Fans kennen ihn als Blogger (The Thruth: so far) und Schriftsteller. Seine Debüt-Romantrilogie »Hiobs Botschaft« – zusammen mit dem Kölner Autor Severin Rast – erschien 2001. »Der Facebook-Killer«, sein erster Kriminalroman, erschien 2012. Wer ohne die nüchternen Fakten seines Werdegangs nicht auszukommen glaubt, muss ihn eben »googlen« oder, sehr viel vernünftiger, den Klappentext seiner Romane lesen. Sorry, mir brennt gerade etwas anderes auf den Nägeln!

»Während einer Aufführung von Wagners Walküre im neuen Mannheimer Ring wird der Sänger des Siegmunds auf offener Bühne ermordet. Das ist jedoch erst der Anfang einer unheimlichen Mordserie, die die Quadratestadt erschüttert.

Scheinbar wahllos schlägt der Mörder zu, und erst nach und nach fügen sich die Fakten zum Mosaik, das eine unselige braune Vergangenheit zitiert, die so mancher gerne ausblenden würde.

Einer jedoch bleibt auf der Spur und sucht nach der Wahrheit hinter der glänzenden Fassade: Leo Lessing, Deutschlehrer am gleichnamigen Mannheimer Gymnasium und Gourmet aus Leidenschaft.

Seine Nachforschungen ergeben, dass sein geliebter Bertolt Brecht recht hatte:
›Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.‹«

Zum Handlungsverlauf werde ich nicht mehr sagen, als dieser kurze Abriss ohnehin preisgibt. Muss ich auch nicht, denn es gibt keine logischen Brüche, vor denen zu warnen wäre.

Aber es gibt in der potentiellen Leserschaft sicherlich Erwartungen, welche den
einen oder anderen Warnhinweis notwendig machen.

  • MIMENMORD ist keine Fortsetzung des Romans »Der Facebook-Killer«, obwohl man Geza Wolf wiederbegegnet;
  • kein Krimi nach klassischem Strickmuster, da er weder dem Konzept des »Whodunit«, noch dem des »police procedural« folgt;
  • ganz sicher kein »Regionalkrimi«, obwohl die Handlung komplett in Mannheim angesiedelt ist.

Mir ist klar, dass es heutzutage als unabdingbar gilt, jeder Veröffentlichung ein Etikett aufzukleben, an dem sich das Publikum orientieren kann. Ordnung muss sein, es muss eine Schublade her – was aber, wenn diese viel zu klein ist?

MIMENMORD hat es nicht verdient, gewaltsam in eine solche Schublade gepresst zu werden. Vor allem aber haben es die potentiellen Leser nicht verdient, dass man eine Schranke vor ihnen aufbaut und sie damit abhält, sich an einem wahrhaft erstklassigen Stück aktueller deutscher Belletristik zu erfreuen. In diesem stilistisch tadellos geschriebenen, überaus fesselnden und
hochpolitischen Roman begegnen Leser Figuren, die sie – aus den unterschiedlichsten Gründen – nicht so leicht vergessen werden. Und das ist gut so!

Denn diese Figuren (ich mag sie nicht Charaktere nennen) sind keine Fiktionen, sondern Spiegelungen eines Typus, dem man leider noch immer und idiotischerweise sogar immer häufiger begegnet, und den man unbedingt kritisch im Blick behalten sollte – auch und vor allem dann, wenn die Vertreter der Staatsgewalt dazu nicht Willens oder nicht der Lage ist.

Sie treffen aber auch auf einen Charakter – und hier lässt sich das Wort durch kein anderes ersetzen – den sie sich umgehend zum Freund wünschen werden:
Leo Lessing. Blitzgescheit, gebildet, kultiviert, sinnlich und der art de vivre zugetan, ist er die ideale Identifikationsfigur für … nun ja, jeden, der nicht der Fraktion der Lindenblütentee schlürfenden Körnerfresser angehört.

Gönnen Sie sich unbedingt das Vergnügen, Leo bei seinen Abenteuern durch die Quadratestadt zu begleiten – das werden Sie, nehmen Sie mich ruhig beim Wort, nie bereuen!

Maran Alsdorf (08/2013)


Ach so, ich schulde Ihnen ja noch eine Erklärung für den ersten Satz. Ich hätte mich ohrfeigen können, weil es mir einfach nicht gelungen ist, den Genuss dieses Romans wenigstens etwas in die Länge zu ziehen. Wenn es an MIMENMORD eines zu bemängeln gibt, dann, dass der Roman leider viel zu kurz und auch nicht der offizielle Beginn einer Reihe ist. Aber … was nicht ist, kann ja noch werden. Hoffentlich.


Oliver Hoffmann: MIMENMORD – Ein Mannheim-Krimi
Mannheim, Verlag Waldkirch, 20. September 2013
ISBN 978-3-86476-039-6 (Taschenbuch)
Softcover, 11,7 x 18,7 cm, 180 Seiten
multimedial (Links [qr-codes] zu im Text erwähnten Musikstücken)
10,80 € [D]
Ab Oktober 2013 auch:
ISBN 978-3-86476-618-3 (E-Book EPUB)
ISBN 978-3-86476-619-0 (E-Book PDF)
8,99 € [D]



   

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