Ein Appell gegen Gewalt

Polizei: Dieter Schäfer, Einsatzleiter bei den Kurdenkrawallen auf dem Maimarktgelände, stellt sein Buch vor

23.08.13

Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

"Ein geniales Buch", lobte Thomas Mohr für die Gewerkschaft der Polizei (GdP), und Politiker von SPD, CDU und Grünen äußerten sich gleichermaßen anerkennend, aber auch tief betroffen: Auf große Resonanz stieß das Buch "Die Gewaltfalle", das Polizeidirektor Dieter Schäfer gestern auf dem Maimarktgelände vorstellte - dort, wo er und die von ihm geführten Polizeieinheiten am 8. September 2012 beim Kurdischen Kulturfestival in eine Gewaltfalle gerieten und 73 Beamte verletzt wurden (wir berichteten gestern).

"Wir müssen raus aus der Eskalations- und Gewaltspirale" - das sei sein Hauptziel. Natürlich habe er sich das Erlebte auch von der Seele schreiben müssen, nachdem er in den Wochen nach dem Einsatz unter Schlafstörungen und Reizhusten litt: "Es gab immerhin 73 Verletzte, und ich war verantwortlich", so Schäfer.

"Angriff aus dem Nichts"

Daher wolle er, "dass Gewalt mehr geächtet wird", sagte der Autor. Auch wenn der Anlass nun Krawalle bei einem Kurdenfestival seien, "geht es mir nicht um die Kurdenfrage", stellte Schäfer klar. In Mannheim lebten schließlich 20 000 Türken und 5000 Kurden friedlich zusammen. Bei dem von 40 000 Kurden besuchten Festival hätten sich aber von einigen Hundert Gewalttäter etwa 2000 Sympathisanten, darunter Kinder, mitreißen lassen und den Straftätern Schutz geboten - das war das Hauptproblem.

"Nachdem wir aus dem Nichts heraus angegriffen wurden, musste ich in Sekundenschnelle entscheiden, ob wir die Rechtsordnung wiederherstellen und vorrücken oder ob wir uns zurückziehen", schilderte Schäfer sein Dilemma. Wegen der Gefahr einer Massenpanik ordnete er den Rückzug seiner Einheiten an - auch wenn er dies mit seinen Wertvorstellungen nur schwer vereinbaren konnte, wie er eingestand.

"Wir sind keine Pienzer"

"Wir sind keine Pienzer und nicht wehleidig", betonte Schäfer. Es gebe speziell geschulte und ausgerüstete Beamte "für viel schlimmere Situationen", so der Polizeidirektor, man scheue sich nicht vor Auseinandersetzungen. "Doch da sind wir total unvorbereitet, völlig überraschend, ja attentatsähnlich in einen Steinhagel geraten, kamen Kollegen in Lebensgefahr, da wurde eine Grenze überschritten", machte Schäfer deutlich - zumal die Steinewerfer eben den Schutz der Menge hatten.

Daher appelliere er bei allen Demonstrationen an die Teilnehmer, "Gewalttätern keinen Rückzugs- und Schutzraum zu schaffen" und daran zu denken: "Auch unter den Helmen stecken Menschen, die verletzt werden können, auch an der Seele verletzt werden können", betonte Schäfer. Ausdrücklich dankte er seiner - vom früheren Polizeipräsidenten Willi Menz empfohlenen - Verlegerin Barbara Waldkirch, dass sie dies ermöglicht habe, sowie Polizeipräsidentin Caren Denner für die Erlaubnis und die Unterstützung.

Politiker beeindruckt

"Ich bin tief beeindruckt, das Buch geht unter die Haut", sagte CDU-Stadträtin Marianne Seitz, die Grüße des Oberbürgermeisters und des Gemeinderates überbrachte. Sie dankte Schäfer im Namen der Stadt für die "besonnene Einsatzführung". Die Gesellschaft müsse mehr deutlich machen, dass Gewalt gegen Polizisten nicht geduldet wird, so Seitz. SPD-Bundestagsabgeordneter Stefan Rebmann erkundigte sich nach der - laut Schäfer seither wirklich intensivierten - Vor- und Nachbereitung solcher heiklen Einsätze. "Ich wünsche dem Buch, dass es weit verbreitet wird", sagte Landtagsabgeordneter Wolfgang Raufelder (Grüne): "Es hat mich wirklich sehr beeindruckt!"

Zum Buch

 


Das Buch

Beim Kurdischen Kulturfestival am 8. September auf dem Maimarktgelände war es zu heftigen gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. 73 Beamte wurden verletzt, 2 davon schwer - sie sind wieder genesen, im Dienst und waren bei der Buchvorstellung dabei.

Dieter Schäfer (55), Polizeidirektor und seit 1994 in Mannheim tätig, hat sich für die Herausgabe des Buchs eigens eine Nebentätigkeitsgenehmigung erteilen lassen und ein Kleingewerbe angemeldet. Holger Ohm übernahm die Gestaltung.

Von jedem verkauften Buch gehen zwei Euro an die Polizeistiftung, die verletzten oder in Not geratenen Polizisten und ihren Familien hilft.

Das Taschenbuch mit 176 Seiten und 38 SW-Fotos ist im Verlag Waldkirch erschienen, kostet elf Euro und ist auch als E-Book erhältlich. Infos auch im Internet unter www.diegewaltfalle.de. pwr



Zum Originalbericht und Bilder:
© Mannheimer Morgen, Freitag, 23.08.2013



   

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