Frauen erfolgreich auf dem Weg nach oben zu den Chefsesseln

Mechthild Fürst-Diery, Erste Bürgermeisterin und Barbara Waldkirch Vize-Präsidentin der IHK

23.11.05

Auch in Mannheim fallen bislang reine Männer-Bastionen / Programm entscheidender als das Geschlecht

Deutschland hat mit Angela Merkel die erste Bundeskanzlerin - aber nicht nur in der männerdominierten Politik sind Frauen auf dem Vormarsch und erklimmen Chefpositionen. Belege dafür gibt es auch in der Quadratestadt.

"Ich freue mich, dass es endlich eine Frau geschafft hat, in diese Position zu kommen." Mechthild Fürst-Diery ist Erste Bürgermeisterin und damit selbst in einer Stellung, in der sonst meist nur Männer anzutreffen sind. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass es Merkel nicht immer leicht haben wird: "Frauen sind eben einfach anders." Eine andere Sozialisation, eine andere Art des Umgangs miteinander - dass sie es deshalb schwerer haben, akzeptiert und ernst genommen zu werden, kann sie nur bestätigen. Um es letztlich doch zu schaffen, rät sie, "hart zu arbeiten, sich rechtzeitig zu Wort zu melden und selbst die Initiative zu ergreifen anstatt abzuwarten". Angela Merkel wünscht die Bürgermeisterin "das Durchhaltevermögen, das sie auch bisher bewiesen hat". Aber dass die Bundeskanzlerin es schaffen wird, daran hat Fürst-Diery keinen Zweifel: "Frauen sind ja ohnehin zäher als Männer."

"Still und leise hat Professor Dr. Herta Flor am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit den neu gegründeten Lehrstuhl für Neuropsychologie übernommen - dabei ist mit ihrer Berufung eine kleine Sensation verknüpft." Mit diesen Worten begann vor fünf Jahren unser Bericht über jene Wissenschaftlerin, die bei der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim als erste Frau in die Ordinarien-Männerriege eingezogen ist. Lehrstuhlinhaberinnen gelten damals wie heute als Exoten. Um Akzeptanz bei den Herren Kollegen musste sich Herta Flor keine Gedanken machen - mehrere hochkarätige Preise sprechen für ihre erfolgreiche Arbeit: Die Schmerzexpertin wurde beispielsweise im Frühjahr mit dem baden-württembergischen Landesforschungspreis 2004 ausgezeichnet - dotiert mit stattlichen 100 000 Euro.

Wie Merkel die erste Frau in ihrer Position ist Regula Gerber Premiere-Intendantin des Nationaltheaters - das noch nie in seiner 225-jährigen Geschichte von einer Frau geleitet wurde. Und gerade deshalb betont Regula Gerber: "Es ist nicht wichtig, ob im Kanzleramt eine Frau ist." Das sei "zwar mal schön", rechtfertige allein aber keine positive Annahme: "Entscheidend ist das Programm, für das sie steht." So äußert sich auch Barbara Waldkirch, Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) und Inhaberin eines Verlages: "Auf`s Geschlecht kommt es nicht an, sondern auf die Dinge, die sie macht. Sie muss jetzt halt vieles anpacken, aber ich vertraue ihr, dass sie den Blick für das Machbare behält," so Waldkirch. Auch sie ist es gewohnt, als Frau in eine Männerdomäne - das IHK-Präsidium - vorzustoßen: "Man hat den Vorteil, dass man leicht unterschätzt wird", merkt sie ironisch an.

Mit Susann-Annette Storm hat auch Mannheim eine Kanzlerin - an der Uni: Die promovierte Juristin wurde vor fünf Jahren ins Kanzleramt der Universität Mannheim berufen. Mit ihrer geradlinigen Karriere ist sie Vorbild dafür, dass auch Frauen im "Haifischbecken" einer Universität ganz nach oben schwimmen können. Als Chefin der Hochschulverwaltung behauptet sie sich in einem Arbeitsumfeld, in dem der Männeranteil in Führungspositionen immer noch stark überwiegt - doch die Frauen sind erfolgreich auf dem Weg nach oben: Bei drei von neun Universitäten in Baden-Württemberg stehen mittlerweile Frauen als Kanzlerin an der Spitze.
sik/wam/pwr/olb

Mannheimer Morgen
23. November 2005

   

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